Kustanaier

Auch bekannt als: Kustanaiskaya (Russisch)

Der Kustanaier wurde in den Steppen von West Kasakhstan auf Kollektiv-Bauernhöfen und Staatsgestueten entwickelt. Die Zuchtgrundlage konzentrierte sich auf Kustanai und Maikulski (wohl Gestuete). Ihre Entstehung wird datiert auf 1887 bis 1951. Die ersten Versuche fanden im regierungseigenen Gestuet Turgai statt: es folgten Kustanai im Jahr 1888 und Orenburg 1890. Letzteres ist die offizielle Gründung der Rasse Kustanaier. Diese neue Rasse wurde entwickelt durch das Kreuzen von regional vorhandenen Kasachen-Steppen-Pferden mit Don, Kasachen, den inzwischen ausgestorbenen Streletzker Arabern, Astrachischen-Kalmücken-Pferden und englischen Halbblütern. Offiziell ist die Rasse seit 1951 anerkannt und wird in zwei Typen gezüchtet, die beide unterschiedlich behandelt wurden, von diesen wird im Folgenden noch berichtet.

Trotz alledem war der Beginn der Kreuzungszucht ein Misserfolg. Nur durch den Einsatz der besten lokalen Zuchtstuten unter Verwendung von Kraftfutter, wurde im Gestüt Kustanai mit dem Einkreuzen von Englischem Vollblut ein positives Resultat erzielt. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts fingen sie an, eine neue Zucht im Gestüt Kustanai zu entwickeln. Die Arbeit wurde 1930 mit zwei  Management-Systemen fortgesetzt. Das erste bedeutete: Halten in den Ställen und auf Weiden, im Winter bei gutem Wetter weiden lassen , reichlich vorhandenes Heu, Mais und Futterkonzentrat, von Hand aufziehen, die Fohlen mit 6-8 Monaten absetzen und zur Zucht selektieren. Das andere System beinhaltet: Herdenhaltung im Freien mit Unterständen bei schlechtem Wetter, Heu- und Futterkonzentrat, größtmögliche Freiheit in der Haltung, ganzjährige Weiden, kein Eingriff in die Zucht durch Selektion. Die erste Methode wurde an den Gestueten Kustanai und Troitske und die zweite  in Maikulski und in anderen Gestueten eingesetzt. Das Ergebnis war zum einen ein typischer Reitpferdtyp, der für alle Reitsportarten geeignet war und mehr Qualität und Ausstrahlung besaß, und zum anderen ein zäheres und robusteres Pferd von geringerer Qualität, das sowohl zum Reiten als auch für die Arbeit im Geschirr verwendet werden konnte.

Die Zähigkeit und Widerstandsfähigkeit der beiden Kustanaiertypen ist relativ, da beide Typen, wie viele russische Rassen äußerst zäh sind. Sie besitzen normalerweise eine ausgezeichnete Konstitution und Ausdauer, sowie ein ruhiges und energisches Wesen, was sie zu äußerst vielseitigen Reot- und Wagenpferden macht. Außerdem sind sie größtenteils attraktive und qualitätsvolle Tiere, wobei einigen der Vollbluteinfluss deutlicher anzusehen ist als anderen.

Der Reitpferdetyp schloss Pferde mit einem hohen Anteil englischem Vollblut mit ein, während die Steppenart überwiegend aus Don-Kasakhen auch mit anderen Rasseananteilen, mit wenig engl. Vollblutanteil bestand.. Alle Reitpferdtypen wurden mit Hilfe von Geschwindigkeitstests (wie in der ehemaligen SU üblich) auf der Rennbahn geprüft. Der Kustanaier ist in der Region Kustanai, im Süden der Region Tscheljabinsk und in Süd- Kasakhstan zu finden. Die Zuchtbasis variiert ein bißchen. In 1930 zählte die Zuchtherde im Gestuet Kustanai 1.000 Stuten. Im Jahr 1981 gab es in Kustanai und in Krasnodon 726 reinrassige Stuten. 746  Zucht- Hengste der Rasse Kustanai wurden in der Reinzucht und zur allgemeinen Veredelung benutzt. 1980 gab es insgesamt  40.200 Kustanaier Pferde.

Der moderne Kustanaier ist ein kompaktes Pferd, das die besten Eigenschaften eines Reitpferdes und die ausgesprochen grundlegenden Eigenschaften  der Steppenpferde kombiniert. Seine Merkmale umfassen einen geraden, edlen, mittelgrossen Kopf, breite Kieferknochen, einen mittellangen geraden und niedrig angesetzen Hals; einen breiten und gutbemuskelten, mittelhohen Widerrist; einen geraden, breiten und kurzen Rücken; eine flache, feste und gutbemuskelte Lende; eine schön gerundete Kruppe; lang und hochgestellte  Schultern; eine breite und tiefe Brust; korrekt gestellte lange, muskulöse Beine, gut entwickelte Gelenke, harte Hufe; starke Sehnen und Bänder; trockener und fester Knochenbau. Als Fellfarben sind braun, kastanienfarben, rötlich-grau, schwarzbraun, fuchs, Schimmel und Stichelhaar vertreten. Der Kustanaier zeigt eine bemerkenswerte Eignung für ein kontinentales Klima. Die Maße (in Zentimeter) von Hengsten im Gestüt waren 1980: Widerristhöhe 163, schiefe Körperlänge (von Buggelenk bis Hüftbein)161, Brustumfang 188, Röhrbeinumfang 20,3; Stuten: 160, 159, 189 und 19,2.

Der Kustanaier ist auch ausgesprochen schnell. Seine Messungen betragen für 1600 m   1 Minuten 40,7 sek,  für 2400 m benötigt er 2 Minuten 34,7 sek.  Pferde des Basistyps werden im Zug belastet und gemessen. Die Aufzeichnung des maximalen Zugs betrugen 456 Kilogramm; die durchschnittliche Zeit mit einer Last von 22 kg im Trab für 2000 m beträgt 6 Minuten. Der Kustanaier hat auch eine bewundernswerte Ausdauer. Zum Beispiel erreichte der Hangst Sturm 178 Kilometer in 15 Stunden; "Chervonets" schaffte 100 Kilometer in 4 Stunden 1 Minute 5 sek. Die besten Resultate einer 24stündigen Fahrt betrugen 286,1 Kilometer. Die Aufzeichnung einer 6tägigen Fahrt für 420-Kilometer betrugen 22 Stunden 32 Minuten 31 sek. Die Fruchtkeit der Stuten der Rasse Kustanai erreichten in einigen Gestüten 90%. Ungeachtet des eingesetzten Managementsystems, übersteigt die Langlebigkeit der Kustanaier häufig 20 Jahre.

Die Zucht besteht aus 3 Phänotypen, 5 Hengstlinien und 6 Stutenfamilien. Drei Ausgaben des Stutbuchs sind veröffentlicht worden. Die wichtigsten Gestüte sind die regionale Experimentstation Kustanai (früher ein Pferdegestüt) und  Krasnodon und Saryturgai. Die Zucht hat gute Aussichten für die Reinzucht mit begrenztem korrektivem Einsatz von englischem Vollblut

Reference: (übersetzt aus dem Englischen und ergänzt von V. Scholian)

Dmitriez, N.G. and Ernst, L.K. (1989) Animal Genetic Resources of the USSR. Animal Production and Health Paper Publ. by FAO, Rome, 517 pp. 

Mason, I.L. 1996. A World Dictionary of Livestock Breeds, Types and Varieties. Fourth Edition. C.A.B International. 273 pp.