Es gibt sie noch!

 

Vielversprechend war sie nicht, die Meldung aus Baku. Ja, natürlich gibt es noch Karabaghpferde, und dann wurde aufgezählt: hier eine Stute, dort eine oder auch zwei, da sogar mal vier, eine Person hat auch einen Deckhengst, Yashar, unser Kontaktmann in Baku, selbst habe 22 Karabaghpferde, davon aus Regierungsbesitz etwa 6 Stuten, einige Nachzuchthengste und einen Deckhengst, und dann sei da auch noch eine Herde von etwa 120 Pferden in Regierungsbesitz etwa 350 km weit von Baku entfernt in Lanbaran, vielleicht dürften wir die auch mal sehen.

Mit diesen Auskünften machten wir uns auf den Weg. Wir das waren zwei Karabaghpferdefans, Sandra aus der Schweiz und Verena aus Deutschland und Hans-Peter, eigentlich ein Schweizer Pferdefan von Kabardinern, aber mangels Kabardinern zur Zeit mit einer etwas klein geratenen Trakehnerstute beritten.

Schon die Suche nach günstigen und vertrauenerweckenden Luftlinien gestaltete sich schwierig: es gab schon Möglichkeiten Baku anzufliegen… eine davon: per Lufthansa von Basel - via Frankfurt – nach Baku. Also fuhr ich (Verena) erst mal mit der DB nach Basel.

Da dies eine separate Geschichte abgeben würden, bei der die Deutsche Bundesbahn nicht unbedingt eine rühmliche Rolle spielt, überspringe ich hier einen Tag und schildere einfach noch einen Tag mit Gurman, dem Karabaghwallach, der in der Schweiz, der nach einem Jahr Westerntraining bereits mit Feuereifer… nun ja, gedämpftem Feuereifer – er ist von der cleveren Sorte, die nichts überstürzt, dafür aber sehr korrekt und immer mit dem einen Ohr auf seinen Reiter hörend, die Westernlektionen abspult…. Einfach toll…

 

Dienstags flogen wir dann in Richtung Baku. Um 21.30 Uhr landeten wir in der Küstenstadt am Kaspischen Meer, standen aber im Flughafen-Empfangsraum dort noch lange am Schalter für ausländische Besucher, weil wir ja noch kein Visum hatten. Draußen wartete schon Yashar auf uns, der uns nach mehr als einer zusätzlichen Stunde Wartezeit mit einer Rose für jede von uns empfing… wir waren mehr als überrascht.

(Yashar gestand uns später, dass sein Schwager, der mit musste, weil er ein Auto hatte, bereits nicht mehr an ein Kommen unsererseits glaubte, als alle anderen Fluggäste schon längst draußen waren, aber er standhaft sagte: wenn eine Deutsche sagt, sie kommt, dann kommt sie! – Danke Yashar!)

 

Unser erster Eindruck von Baku war schon aus der Luft etwas merkwürdig… es gab Riesenflächen, die beleuchtet waren (Häuser, Straßen, Industrie), dann wiederum eine große Fläche mitten drin, die nicht beleuchtet war… (zunächst nicht erklärbar), stellte sich dann als große Flächen mit Fördertürmen für Öl heraus.

Bakus Hotels waren für uns unbezahlbar – keines unter 200 $ pro Nacht. Gott sei Dank hatte Yashar bereits ein Kwartira (Wohnung auf russisch und genauso sah sie auch aus, aber das war unwichtig) angemietet und das kostete nur 30 $ pro Nacht (für uns alle). Über so gewisse Unzulänglichkeiten (Mosquitos, verklebte Fenster, …) spricht man dann nicht. Zudem sind 30 $ der Monatslohn eines Aserbaidschaners. Komisch, wir gingen immer davon aus, dass Öl ein Land reich macht (siehe Kuwait)… scheint nicht für alle zu gelten.

 

Yashar erzählte uns bereits auf der Fahrt zur Stadt –übrigens in einem „Schiguli“-, dass ein Teil der aserbaidschanischen Karabaghzucht in privater Hand liege und ein weiterer Teil (wohl der zahlenmäßig größte) noch in Regierungsbesitz seien. Die privaten Pferde seien jedoch in weitaus besserem Futterzustand als die regierungseigenen Pferde. Er fragte auch noch, ob wir auch Interesse daran haben, andere Pferde zu sehen, zum Beispiel die Dilbossen??? Klar hatten wir!

Außerdem sagte er uns, dass er heute wieder Karabaghnachwuchs bekommen habe, ein Hengstchen von Lupa, einer seiner Stuten, die wir zu einem späteren Zeitpunkt noch sehen sollten.

Nach der Ankunft in der gemieteten Wohnung vereinbarten wir noch ein Programm für den darauf folgenden Tag, der natürlich Pferde vorsah… aber es kam anders.

 

Erster Tag in Baku:

Eigentlich hatten wir vorgesehen,  uns um 10:00 mit Yashar zu treffen, um uns die Pferde auf der Rennbahn in Baku anzuschauen (Karabaghen, Dillbosser, sonstige), aber ein Anruf vom Landwirtschaftsministerium warf alles über den Haufen, wir mussten unsre Neugier erst einmal zügeln: die Europäer sollten doch zuallererst ins Ministerium kommen, um dort mit dem Vizelandwirtschaftsminister zu sprechen. – Da gab es ja wohl kaum Widerspruchsmöglichkeiten… Mit einem „Mercedes“ sowjetischer Bauart („Wolga“) wurden wir abgeholt und ins Ministerium befördert, wo wir einen Empfang beim Landwirtschaftsministerium hatten (wie uns Yashar später erzählte, hatte der Vizeminister vergeblich versucht, unsere Ankunft zu verhindern, um über den traurigen Zustand seiner eigenen Pferde hinweg zu täuschen, aber Yashar hatte uns das gar nicht erst mitgeteilt). Yashar fungierte als Dolmetscher vom Englischen ins Aserbaidschanische, da Verenas Russischkenntnisse vielleicht für ein Überleben ausreichend, aber für ein Gespräch völlig unzureichend waren.

Indirekt machte uns der Regierungsbeamte klar, dass die Karabaghen der Regierung in einem desolaten Zustand sind (bislang hatten wir noch keinen einzigen gesehen!) und entschuldigte dies mit Anfangsschwierigkeiten des jungen, unabhängigen, demokratischen (? –dazu später mehr) Staates, der zwar viel Öl, aber kein Geld (zumindest nicht für Karabaghen) besitzt.

Aber auch wir wurden nach unseren Gründen befragt, warum es ausgerechnet Karabaghen sein mussten, und welche Vorteile unserer Meinung nach ein Karabaghpferd hat. Wir waren eigentlich ganz froh, einmal mitteilen zu dürfen, welche Vorzüge am Karabagh wir keinesfalls missen wollten: die handliche Größe und der quadratische kompakte Körperbau, der die Karabaghen schnell, wendig und westerngeeignet macht, die Umgänglichkeit, die die Karabaghen zu Familienpferden werden lässt und vor allem, ihre Trittsicherheit als Bergpferde, die auch hoffentlich nicht durch die ungewöhnliche Erhaltungszucht mit Vollblutarabern verloren gehen sollte, deshalb wiesen wir besonders darauf hin, dass auch die Zuchtprüfungen auf der Rennbahn für Karabaghen eigentlich keine ideale Lösung seien, da sie nie beweisen können, dass sie gebirgstauglich sind. Verena wurde nach ihren Kenntnissen über weitere aserbaidschanische Pferderassen befragt und gab an, dass sie noch ein bisschen über die Dilbossen wusste: drahtig, hart, ausdauernd, auch mit relativ schwerem Gepäck noch unermüdlich (bis 120 kg auf Distanzen von 40 km im Gebirge – kein Problem). Dies wurde anerkennend bestätigt.

Yashar bat hier um die Erlaubnis, die regierungseigenen Pferde, die auf der Rennbahn stehen, sehen zu dürfen. Wir durften! Allerdings nicht, ohne vorher noch ein Telefongespräch anzuhören, von dem wir zwar nichts verstanden, aber durch die Lautstärke und die Tonlage überzeugt waren, es wurden hier schnell noch Anweisungen für das Personal auf der Rennbahn weitergegeben.

Normalerweise hätten wir um diese Uhrzeit unsere knurrenden Mägen, die –dank Yashar- zwar ein paar Kekse, Nescafé und Äpfel als Frühstück gesehen hatten, aber ansonsten ziemlich leer waren, besänftigen sollen, aber wir waren ja nicht in Baku, um an knurrende Mägen zu denken. Also fuhren wir zum Hippodrom, noch immer mit Chauffeur und „Wolga“. Hier wurden uns in blitzsauberen, stroh- oder späneeingestreuten Ställen stehend, alle privaten Karabaghen, aber auch Dilbossen vorgeführt, einer schöner als der andere. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus:

Die erste, die uns vorgeführt wurde war Ayna, eine Arabo-Karabaghstute, die auch hier für das Zuchtausleserennen trainiert wurde, der nächste Karabagh war Lapir, ein Nachzuchthengst von Yashar, danach folgte Sahil, ein weiterer erfolgversprechender Nachwuchshengst mit guter Abstammung, aber auch ein Jährling wurde uns gezeigt, der noch keinen Namen hatte und von Carabin stammte, der im neuen Stall untergebracht war. Weitere hier zum Training stehende Pferde waren: Apollon – Arabo-Karabagh, 11 Jahre alt, Siavush (von Carabin) 4 Jahre alt, diesen Hengst haben wir (Verena und Hans Peter) anschließend einmal reiten dürfen… herrlich! Hier sahen wir auch das erste Mal in unserem Leben einen Dilboss („Pribor“), strahlend weiß, mit arabischem Einschlag, der uns auch vorgeritten wurde, mit einem Sattel, der mehr nach Pad aussah. Verena fragte nach dem möglichen vierten Gang (Tölt) bei Dilbossen, erhielt aber statt einer Antwort nur eine Gegenfrage: was ist denn das? Wir sollten schon noch dahinter kommen.

Zweijährige wurden bereits auf der Rennbahn trainiert, sahen bereits muskulös und wie dreijährige aus.  Einer der Jockeys kannte alle Namen, alle Abstammungen und erinnerte sich auch noch an Inturist. „Inturist“ ? ach ja, Yashar sagte uns, es gäbe keinen Karabaghzüchter in Baku, der Inturist und Verena nicht kenne… woher? Ja natürlich, die Zeitungsartikel, die ich nach Baku geschickt hatte, hatten unbeabsichtigt ihre Runde gemacht, beim Umzug des Ministeriums war eine der Zeitschriften, die dort in einer Schublade schlummerte, mal „ausgeliehen“ worden, um so den Kontakt mit Westeuropa und der IG Karabagh herzustellen.

 

Wir ließen uns auch das Futter zeigen: Gerstenkleie, Gerste sowie Weizen und Weizenkleie (kein Hafer, keine Pellets, kein Fertigfutter), das Heu war äußerst rau und faserig, fast strohartig. Alle Pferde waren in guter Kondition, drahtig und muskulös, nicht rund und abgedreht (hier lachten alle, als sie Gurmans Foto sahen… klar: Gurman heißt auf deutsch: Feinschmecker und genau das ist er auch!) Gurman (Sandras Karabagh) wird nun auch den Aserbaidschanern in bleibender Erinnerung sein! – auch die mitgebrachten illustrierten Pferdezeitungen mit den Karabagh-Artikeln machten die Runde und wurden von allen Anwesenden bestaunt. Wir bemerkten allmählich, dass von den anfangs vier Personen die Zahl der Zuschauer mittlerweile auf etwa 20 angestiegen war und es wurden immer mehr.

Beim Gang durch den neuen, noch im Bau befindlichen Teil des Stalles (übrigens hell mit großen freundlichen Boxen, jedoch ohne Zugang ins Freie), stellte sich heraus, dass einer der Aserbaidschaner wohl ein Faible für Budjonnys und russische Trakehner haben musste (Rostow und Kirow).  Zumindest der wunderte sich sehr über Verenas Kenntnisse sowie die Abstammungen einige seiner Pferde und wir wunderten uns über den Import von Russenpferden, wenn man selbst so tolle Pferde im eigenen Land hat. Aber auch hierzu gab´s später noch Erklärungen.

Hier wurden uns weitere Karabaghen, aber auch Delbossen vorgeführt: ein rotgrauer Delboss, 2 Jahre alt namens „Simsim“, sowie ein weiterer Delboss „Sünbül“. Aber auch weitere herrliche Karabaghen: Carabin (er ist Jahrgang 1985, deutlich zu erkennen an seinem Kaltbrand in der rechten Sattellage)seine Abstammung: Vater: Salsal, Mutter: Gapaly, der hier Vaterpflichten erfüllen muss und dies natürlich gern tut. Ein weiterer Karabaghhengst namens Agri erschien uns im Vergleich zu Carabin etwas groß geraten und auch wesentlich massiver als Carabin (allerdings mag das auch durch die Stehmähne unterstützt worden sein). Er war erst 4 Jahre alt.

Zur Abwechslung nach den vielen Karabaghen (uns wurden die nie zuviel), wollte uns jemand mal einen Gefallen tun und führte nun einen äußerst korrekt gebauten, kompakten und gut aussehenden Budjonny-Hengst vor, der „Nur“ hieß. Das reichte uns aber auch und wir wollten wieder Karabaghen sehen: Es folgten dann: Nasim, ein Arabo-Karabaghhengst von 4 Jahren, Shiraz, eine äußerst hübsche, quadratische und schimmernde Karabaghstute, und nicht zuletzt Niva, eine 10jährige Karabaghstute, die nach langem Zureden des Hengstbesitzers von der Besitzerin (eine Nicht-Aserbaidschanerin) der Karabaghzucht zur Verfügung gestellt wurde. Das erinnerte mich an mein langes und beständiges Reden bei einer deutschen Hengstbesitzerin, ihren Hengst zur Zucht zuzulassen, jedoch bisher erfolglos.

 

Zwischendurch erfolgten immer wieder kleinere Gespräche (russisch-englisch-gemixt) mit den dortigen Pferdezüchtern über westeuropäische Zuchtstandards, Rassen, Reitweisen. Ein erstauntes Kopfschütteln wurde vor allem durch die Bemerkung bewirkt, dass mit einer Ausnahme, alle westeuropäischen Karabaghpferde im Besitz von Frauen sind, die auch sehr gut mit ihnen klar kommen und niemals einen abgeben würden. Bei einem dieser Gespräche erfuhren wir, dass die Rasse Dilboss in einer noch größeren Schwierigkeit steckt als die der Karabaghen. Die Population der Dilbossen beträgt allerhöchstens einmal 50 Exemplare und liegt damit an der Extremgrenze zum Aussterben.

Mehrfach wurden wir eingeladen, im Herbst erneut zu kommen, da dann die Hauptrennen stattfinden und wohl auch Spiele zu Pferde, von denen wir später noch einiges erfuhren.

 

Als wir in Gedanken, jetzt erst recht mit viel Hunger im Magen, bereits auf dem Nachhauseweg waren, fiel Yashar siedendheiß ein, dass wir noch immer keinen einzigen Regierungskarabaghen gesehen hätten. Er entschuldigte sich, und es ging weiter; jetzt zu einem benachbarten Stall, den wir zuvor schon einmal betreten hatten, allerdings von einer anderen Seite. Wir sahen zunächst nichts, es war sehr dunkel, roch etwas muffig, und… ausgehend von einem langen Gang, sah man rechts und links vergitterte Boxentüren. Erst beim Öffnen entpuppten sich die dahinter liegenden „Löcher“ als Pferdeboxen, in denen sich kleine, struppige, verängstigte, sehr knochige Pferdchen befanden, die im eigenen extrem trockenen (Wassermangel?) Mist standen und teilweise noch Halfter mit Stricken dran trugen und entfernt an Karabaghen erinnerten. Beim Näherkommen bemerkte man weit aufgerissene, angstvolle Augen und die Tiere drängten sich in die äußerste Ecke. Sie schienen Futter und Einstreu nicht einmal dem Namen nach zu kennen, geschweige denn Beachtung durch Menschen. Hier sahen vierjährige ausgewachsene Karabaghen durch die Unterernährung noch wie Fohlen aus. Ich werde dies nicht verschweigen, Herr Minister, auch wenn ich dann Gefahr laufe, keinen Karabagh kaufen zu dürfen! Es war ein Jammer. Wie kann man Kreaturen, noch dazu solche Kulturgüter nur so behandeln? Wir vergaßen vor Erschütterung selbst das Fotografieren. Leider! Wir vergaßen selbst unseren eigenen Hunger …

(…,der aber anschließend in einem türkischen Restaurant („Anadolu“) sehr günstig und umfangreich gestillt wurde, natürlich wieder mit je einer Blume für beide Damen).

 

Nachmittags musste das vorgesehene Programm wieder umgeschmissen werden, da die örtliche Presse einen Interviewtermin anberaumt hatte: 14.00 Uhr bei Mahmud Mamedov, einem der lokalen Karabaghzüchter, einem Mann mit relativ großem Einfluss, da er Vorsitzender des Reitvereins, Vorsitzender der Bank, Vorsitzender eines Versicherungsunternehmens und Chefredakteur der „Günay“ (Tageszeitung) war: Logischerweise wieder mit Yashar als Dolmetscher für englisch-aserbaidschanisch und zurück. Das Interview beinhaltete folgende Antworten auf die Fragen: wie kommt man/frau an einen Karabagh in Deutschland? Warum interessiert uns die aserbaidschanische Zucht? Welche Vorzüge haben die Karabaghen, die andere Pferde (europäische / amerikanische) nicht haben? Welche Zukunft sehen wir für die Karabaghen? Was hat uns in Aserbaidschan beeindruckt?

Wir wiesen hier nochmals daraufhin, dass Pferde, die Häuser springen, Pferde, die Kurzstreckenrenner sind, Pferde, die Hohe Schule gehen, sicher nicht aus Aserbaidschan importiert werden; das was hier überzeugen sollte, sind handliche, nicht zu große (bis Stm. 150 cm), ansprechende, gutmütige, trotzdem wendige und schnelle Pferdchen, die zudem auch noch in einer seltenen Farbe mit Metalliclackierung gut ankommen. Die Zeitung versprach, das Interview noch in der laufenden Woche zu drucken und tags darauf Fotos zu machen, die ebenfalls mitgedruckt werden sollen. (In der Tat, das Interview erschien samstags in russisch und azeri und zwar eine halbe Seite mit Foto. Wir erhielten mehrere Exemplare dieser Ausgaben.)

 

Zweiter Tag in Baku

Noch immer hofften wir, dass ein Tag für das regierungseigene Gestuet in Lambaran eingeplant werden könnte, jedoch wurde dies von Tag zu Tag immer zweifelhafter. Ein Anruf von Yashar am Donnerstag morgen klärte uns darüber auf, dass die Planung für den Vormittag zunichte sei, er habe noch einige (es waren zig!!!) Anrufe zu erledigen, um den Nachmittag zu organisieren. Wir hatten viel Verständnis dafür, zumal Yashar ja sicher außer uns auch noch andere Verpflichtungen hatte. Also nahmen wir uns Bakus Innenstadt vor. Auch wenn uns zunächst die ganze Atmosphäre sehr exotisch vorkam, genau genommen waren aber wir diejenigen, die sofort durch unser outfit und unser Verhalten auffielen. Besonders auffallend waren die Extreme in Baku… uralte unrenovierte Wohnblocks (Plattenbauten) mit Satellitenschüsseln an jedem Balkon, nebenan aber moderne Gebäude mit Marmorfassaden und Leuchtreklame, das gleiche bei den PKWs: uralte Schigulis und Ladas neben 600er Mercedes, A8er Audis und 7er BMWs, alte messing Samoware im Schaufenster neben Internetcafés. Wächter und Bodyguards vor allen größeren Gebäuden mit öffentlichen Einrichtungen… von Regierung bis Versicherung  - Extreme pur!

Abends machte uns Yashar nochmals Hoffnung, dass eine Besichtigung des regierungseigenen Gestüts vielleicht doch in greifbare Nähe gerückt sei. Da dieses jedoch in unmittelbarer Nähe zu einem Militärgelände sei, bedürfe es der Zustimmung der Regierung, dorthin zu gelangen. Es sei gestern extra eine Ministersondersitzung anberaumt worden, um dieses Problem zu erörtern (laut Yashar 10 Minuten nichts anderes). Haupttagesordnungspunkt waren aber die Deutschen (die Schweizer wurden generell als Deutsche angesprochen… sie hatten sich allmählich dran gewöhnt) mit ihrem Karabaghfimmel!!!! Wir erörterten am gleichen Abend aber auch noch anderes: einerseits haben wir Yashar nach Deutschland eingeladen, um uns und unsere Karabaghen zu besuchen, dazu waren noch einige Formalia nötig. Andererseits haben wir mit ihm abgeklärt, wie und ob es möglich sei, regierungseigene oder überhaupt irgendwelche Karabaghen käuflich zu erwerben. Während Yashar noch zwei Wochen vorher einen Verkauf von Stuten kategorisch abgelehnt hatte, war er jetzt nicht mehr ganz abgeneigt. Er würde uns eine verkaufen, meinte aber, es sei sinnvoller – das ist es auch – von den regierungseigenen Pferden welche zu übernehmen, und zwar in einem Alter, wo der Hunger den Pferden noch nicht so übel mitgespielt hat. Einen Transport könne er besorgen. Das tat er auch… Der Transport über die Ukraine würde bis Deutschland 4500 $ kosten, und der Transporter fasse bis zu 6 Pferde. Dieser Preis wäre sogar noch akzeptabel, ohne dass sich dadurch die Kosten für die einzelnen Pferde rapide verteuerten, bliebe nur noch das leidige Importverbot der EU, das Einfuhren von Einhufern aus Aserbaidschan in die EU verbietet. Aber das hatte ich dem Ministerium aus Aserbaidschan ja schon 1994 mitgeteilt. Die hatten nur leider alles schön brav in der Schublade liegen lassen, wo es sicher noch liegt. Ich hatte –glücklicherweise- alle Kopien noch einmal mitgebracht und Yashar übergeben, der tags drauf fit war (Korrespondenz war ausschließlich in Russisch gelaufen) – Aber auch das Problem ließe sich ja jetzt mit vereinter aserbaidschanisch-deutscher Zusammenarbeit lösen. Wir vereinbarten dafür eine gemeinsame Marschroute.

Hinzu kam noch, dass auch die Kontakte zur internationalen rare-breed-foundation in Rom nach der Unabhängigkeit Aserbaidschans total erloschen waren und nun einer neuen Kontaktperson bedurften, die die aktuellen Zahlen nach Rom weiter meldet und auch ständig aktualisiert. Yashar wollte dies übernehmen. Über die weitergehenden Zuchtkontakte wurde vor allem das Problem des Gefriersperma-Austauschs angesprochen. Hier fehlt den Aserbaidschanern leider noch die notwendige Ausrüstung. Aber zumindest die Möglichkeit des Gefrierspermahandels wird erwogen. Yashar und einige (eigentlich fast alle) aserbaidschanischen Privatzüchter wollen sich zu  einer Organisation zusammenschließen, um gemeinsam größere Einflussmöglichkeiten zu haben – eine sehr gute Idee, die wir hier nur unterstützen können.

Eine große Überraschung kam dann zum Schluss: Yashar füllte das Antragsformular zur IG Karabagh aus und unterschrieb es. Wir haben also nun ein aserbaidschanisches IG Karabagh Mitglied! Herzlich willkommen! Auch hier wurde weitestgehende Zusammenarbeit versprochen und ist auch schon voll im Gang.

 

Dritter Tag in Baku

Heute war der Fototermin mit „Günay“ einer Tageszeitung in Baku vorgesehen. Wir sollten morgens zur Rennbahn kommen, um dort live mit Karabaghen agieren…

Als wir ankamen herrschte bereits reger Trainingsbetrieb. Einige Karabghen wurden auf der sehr holprigen –weil eigentlich nur mit dem Pflug durchgezogenen- Außenbahn trainiert, andere auf einem in der Mitte der Rennbahn neu angelegten Dressurviereck, das mit Sand aufgefüllt war, in englischem Stil geritten. Weiter hinten sah man auch Pferde im Training. Einer dieser Karabaghen war für unseren Fototermin vorgesehen: der Hengst Siavush, ein vierjähriger Kupferfuchs. Verena durfte ihn reiten. Er ging super, reagierte auf die geringsten Zügel- und Gewichtshilfen und ließ sich problemlos dirigieren. Es machte richtig Spaß. Den würde ich sofort nehmen, nur leider war er unverkäuflich. Pech für uns. Auch Hans-Peter durfte ihn mal ausprobieren, für Sandra wurde ein anderer Hengst gesattelt. Danach stellten wir uns noch mit dem Zuchthengst Carabin zu einem Zeitungsfoto auf, das dann auch (allerdings mit falscher Unterschrift) am Samstag erschien.

 

Was jetzt folgte, war für mich mehr als beeindruckend. Wir besuchten den erfolgreichsten Karabaghjockey aller Zeiten namens Tagilev, der auch dabei war, als 1955 „Zaman“ als Geschenk an Königin Elisabeth II übergeben wurde, er sammelte sechs Siege in Folge, unter anderem auf solch bekannten Beschälern wie Zaman, Schaghbulag, Naliw und Puljemet, vor allem letzterer unübertroffener Sieger in Flachrennen auf der Rennbahn in Baku. Was uns jedoch sehr seltsam anmutete, war die Unterkunft dieses in Aserbaidschan sehr bekannten und geschätzten Mannes (mittlerweile über 80 Jahre alt): er bewohnte (?) eine umgebaute Pferdebox an der Rennbahn. Sein Namensschild sind alle Fotos von Pferden, die er in seiner Laufbahn je zum Sieg führte.

Da auch hier in der Nähe noch ein Dilboss-Pferd stand, besuchten wir dies auch gleich. Ein hübscher, sehr umgänglicher, vierjähriger  Dillboss-Hengst namens Pistolet wurde uns vorgestellt. Es wäre wirklich schade, wenn diese Rasse nicht mehr erhalten werden könnte.

Jetzt erfolgte ein weiteres wichtiges Treffen für alle Beteiligten: Khandhan Rajabli, der Zuchtbeauftragte des Ministeriums für Landwirtschaft wünschte uns zu sprechen. Er war derjenige, dem ich 1992 den ersten Brief und danach in Folge alle weiteren Unterlagen (die in der Schublade versanken) geschickt hatte. Ich wusste aber von Yashar bereits, dass unsere westeuropäischen Karabaghnachzuchten alle (bis auf die Budjonny-Kreuzung) im neuen Stutbuch aufgenommen worden waren und atmete also in dieser Hinsicht erst einmal auf.

 

Dritter Tag in Baku

Heute war der Fototermin mit „Günay“ einer Tageszeitung in Baku vorgesehen. Wir sollten morgens zur Rennbahn kommen, um dort live mit Karabaghen agieren…

Als wir ankamen herrschte bereits reger Trainingsbetrieb. Einige Karabghen wurden auf der sehr holprigen –weil eigentlich nur mit dem Pflug durchgezogenen- Außenbahn trainiert, andere auf einem in der Mitte der Rennbahn neu angelegten Dressurviereck, das mit Sand aufgefüllt war, in englischem Stil geritten. Weiter hinten sah man auch Pferde im Training. Einer dieser Karabaghen war für unseren Fototermin vorgesehen: der Hengst Siavush, ein vierjähriger Kupferfuchs. Verena durfte ihn reiten. Er ging super, reagierte auf die geringsten Zügel- und Gewichtshilfen und ließ sich problemlos dirigieren. Es machte richtig Spaß. Den würde ich sofort nehmen, nur leider war er unverkäuflich. Pech für uns. Auch Hans-Peter durfte ihn mal ausprobieren, für Sandra wurde ein anderer Hengst gesattelt. Danach stellten wir uns noch mit dem Zuchthengst Carabin zu einem Zeitungsfoto auf, das dann auch (allerdings mit falscher Unterschrift) am Samstag erschien.

 

Was jetzt folgte, war für mich mehr als beeindruckend. Wir besuchten den erfolgreichsten Karabaghjockey aller Zeiten namens Tagilev, der auch dabei war, als 1955 „Zaman“ als Geschenk an Königin Elisabeth II übergeben wurde, er sammelte sechs Siege in Folge, unter anderem auf solch bekannten Beschälern wie Zaman, Schaghbulag, Naliw und Puljemet, vor allem letzterer unübertroffener Sieger in Flachrennen auf der Rennbahn in Baku. Was uns jedoch sehr seltsam anmutete, war die Unterkunft dieses in Aserbaidschan sehr bekannten und geschätzten Mannes (mittlerweile über 80 Jahre alt): er bewohnte (?) eine umgebaute Pferdebox an der Rennbahn. Sein Namensschild sind alle Fotos von Pferden, die er in seiner Laufbahn je zum Sieg führte.

Da auch hier in der Nähe noch ein Dillboss-Pferd stand, besuchten wir dies auch gleich. Ein hübscher, sehr umgänglicher, vierjähriger  Dillboss-Hengst namens Pistolet wurde uns vorgestellt. Es wäre wirklich schade, wenn diese Rasse nicht mehr erhalten werden könnte.

Jetzt erfolgte ein weiteres wichtiges Treffen für alle Beteiligten: Khandhan Rajabli, der Zuchtbeauftragte des Ministeriums für Landwirtschaft wünschte uns zu sprechen. Er war derjenige, dem ich 1992 den ersten Brief und danach in Folge alle weiteren Unterlagen (die in der Schublade versanken) geschickt hatte. Ich wusste aber von Yashar bereits, dass unsere westeuropäischen Karabaghnachzuchten alle (bis auf die Budjonny-Kreuzung) im neuen Stutbuch aufgenommen worden waren und atmete also in dieser Hinsicht erst einmal auf.

 

Hier eine Geschichte am Rande, die aber extrem deutlich macht, wie sehr die Karabaghzucht zur aserbaidschanischen Tradition gehört:

Eines Abends, Yashar kam jetzt abends schon regelmäßig in unser „Kwartira“ zur Lagebesprechung, erzählte er uns sein kleines Geheimnis wie die Goldfarbe der Karabaghen entsteht: das goldschimmernde Fell erhalten nur die Karabaghen, deren Hufe auf purem Gold stehen, deshalb muss in jedem Karabaghstall  irgendwo pures Gold vergraben werden, damit die Goldfarbe auch weiterhin erhalten bleibt. Jetzt weiß ich wenigstens, was  ICH die ganze Zeit falsch gemacht habe.

Eine weitere aserbaidschanische Züchterweisheit betrifft die falbe Fellfarbe (aber von dieser Weisheit wusste ich bereits aus Berichten von Hutten-Czapski (download)) – danach musste die Zuchtstute auf jeden Fall die helle Fellfarbe haben, der Hengst darf ruhig dunkel, auch dunkelbraun sein, damit das Fohlen daraus die begehrte goldfalbe Fellfarbe erben wird. Daher wird besonderer Wert darauf gelegt, dass die Mütter Karabaghen sind, die Väter können dann auch mal „nur“ Vollblutaraber sein. Dieses „nur“ wird dort in der Tat auch so gesehen: Vollblutaraber sind nur dann auch für die Zucht wertvoll, wenn sie in ihrer eigenen Rasse bereits angesehene Vorfahren hatten. Apelsin zum Beispiel mit Aswan als Vater, oder der derzeit eingesetzte Veksel ox mit Peleng als Vater. Keinesfalls geringere und keinesfalls Schimmel!

Der aserbaidschanische Zuchtbeauftragte Khandan Rajabli begann mit der Historie unserer Korrespondenz und ging auf die lange Geschichte der Karabaghpferde in Berg-Karabagh ein. Dann wies auch er besonders darauf hin, dass Aserbaidschan nicht nur Karabaghen habe, sondern ihm auch die Dillbossen und Qubas, sowie die Schirvan am Herzen lagen. Mir waren lediglich die Dillbossen bekannt, die hier zu den extrem gefährdeten Tierarten zählen mit etwa 50 Exemplaren weltweit. Natürlich war ich bereit, auch für die Dillbossen Werbung zu betreiben, wenn nur das leidige Exportproblem nicht wäre. Dazu gab ich K. Rajabli gleich die Aufgabe mit auf seinen Weg, die veterinärmedizinische Angelegenheit der Einfuhrsperre in die EU mit einem Antrag an die EU zu stornieren. Das konnte ich nicht für sein Land übernehmen, ich meinerseits wollte nochmals an EU-Abgeordnete appellieren, sein Land in dieser Hinsicht nicht im Regen stehen zu lassen. Wir vereinbarten daraufhin, auf diesem Gebiet zu kooperieren, wobei ich ihm noch versprach, die Microchip Tieridentifikations Methode unserer deutschen Verbände an ihn weiter zu leiten und alle dazu notwendigen Informationen zu ermitteln. Bisher wird in Baku noch, wie schon seit 1948 die linke Sattellage mit der Stutbuchnummer und die rechte mit der Geburtsjahreszahl (zweistellig) kalt gebrannt. Leider war er nicht zu bewegen, uns die regierungseigenen Karabaghen in Lambaran zugängig zu machen und begründete das mit der Gefährlichkeit dieses Unternehmens (weil es nahe bei einem militärischen Geländes sei). Yashar zwinkerte mir zu. Aber er versprach mir, entsprechende Bilder und Videos zu besorgen. Zumindest die Fotos erhielten wir postwendend. Dazu noch mehrere Karabagh/Dillboss-Kalender des Jahres 2002 und ein Foto von zwei der töltenden einheimischen Ponies  der Rasse Quba, die jedoch noch nicht registriert wurden. Die Pferdchen auf dem Foto ähneln schon vom Körperbau her sehr den Isländern.

Weiter versprach er, das Stutbuch Nummer 2, das ja nun in azeri und nicht mehr in russisch herausgegeben wurde, ins Englische übersetzen zu lassen, um es auch einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.  Die Ausgabe wird uns aber zugesagt. – Jetzt haben wir wieder Pferde auf dem Programm: zunächst einen sehr hübschen Dillboss-Hengst, Sieger im Kalinin-Preis, Schimmel, wie alle Dillbossen und mit einem stark arabisierten outfit. Auch die beiden anderen Dillbossen lassen den arabischen Einschlag nicht nur vermuten: Patron und Bagir.

Jetzt fahren wir zu einem Hof am Kaspischen Meer, direkt in der Nähe des Flughafens, ein schön angelegtes Gelände mit Karpfenteich, eingezäunten Koppeln und einem weiß gekalkten Stallgebäude erwartet uns… Im Stall außer Achal-Tekkinern und englischen Vollblütern auch eine sehr gut gebaute, kompakte Karabaghstute (Shaika) mit ihrem Hengstfohlen von Karabin.

 

Bei einem erneuten Treffen mit dem Zuchtbeauftragten konnten wir endlich ein paar seiner Pferde aushandeln. Er hat uns fest versprochen, zwei ein-zweijährige Stuten der Rasse Karabagh mit hellfalbem Fell (die sich gut mit unseren vorhandenen Linien kreuzen lassen), sowie zwei Pferde der Rasse Deliboss zu verkaufen, über die Preise lässt sich jedoch erst verhandeln, wenn klar ist, wie der Transport vonstatten geht (EU Gesetze) und wie viel alles kosten wird.

Nach Zusendung von Fotomaterial und Filmen wird Yashar sich um die Auswahl kümmern.  Die Zweitausfertigung der Papiere von dem Karabaghhengst  „Peschwar“ (V: Schaghbulag M: Powest) wurde uns ebenfalls zugesichert.

Khandan Rajabli bat uns um weitere Veröffentlichungen in einschlägigen Zeitschriften, auch für die Rassen Dillboss und die nicht registrierten (Schirvan und Quba). Das habe ich zugesichert, wenn mir genügend Informationsmaterial zur Verfügung steht.

Die Gesprächsatmosphäre war zunächst leicht angespannt, jedes Wort wurde gegenseitig auf die Goldwaage gelegt, zumal uns bekannt war, dass der Umgang mit Regierungsbeamten auf die unterschiedlichste Weise abgewickelt werden kann, Korruption ist in Aserbaidschan durchaus noch an der Tagesordnung: ein Beispiel dazu: während wir ein paar Minuten warten mussten, sahen wir wie ein Polizist einen Mercedesfahrer stoppte, ihn anschrie und nach einem „Händeschütteln“ (wobei ein oder mehrere Scheine den Besitzer wechselten), weiter fahren ließ. Polizisten gibt es in Baku wie Sand am Meer, uns kam es so vor, als sei mindestens jeder vierte Einwohner von Baku bei der Polizei.

 

Die Aufnahme der europäisch gezogenen Karabaghen erfolgt unter den Bedingungen, dass sie

a) farblich den Originalkarabaghen entsprechen (Fuchs oder braun mit Aalstrich – bevorzugt hellfalb),

b) einer der beiden Elterntiere ein Karabagh und der andere ein Vollblutaraber (Fuchs oder braun) ist, oder

c) beide Elterntiere Karabaghen sind

d) die Eintragungspapiere an den Zuchtbeauftragten weiter geleitet werden.

Für Iswestija waren wir leider etwas spät dran, ihre Eintragung war nicht mehr nachzuholen, da das Stutbuch Nummer zwei bereits abgeschlossen war, sie wird aber als Karabaghin anerkannt, da die Voraussetzungen a – d gegeben sind.  Die Kennzeichnung der Tiere war ein weiteres Thema. K. Rajabli wollte uns zunächst überzeugen, unsere Kennzeichnung auch mit Kaltbränden vorzunehmen, ließ sich dann aber auf den Microchip ein und war sogar bereit, die Kennzeichnung der eigenen Karabaghen und Dillbossen auf diese Art vorzunehmen, wenn er nähere Informationen dazu bekommen würde. Diese habe ich ihm zugesichert.

Ein weiteres Problem, das hier erörtert wurde, war die Ausbildung und Auslese der Reit- und Zuchtpferde. Besonders Yashar schien von der Westernreitweise sehr angetan und wollte sich via Büchern und Videos zumindest mal ein Bild von der anderen Reitweise machen. Auch hier habe ich ihm Unterstützung zugesichert. Weitere Schwierigkeiten, die nach und nach behoben werden müssen sind: Mangel an Ausrüstungsmaterialien, wie Sättel, Trensen, Halfter…., Beseitigung des Einfuhrverbotes in die EU (langer und beschwerlicher Weg durch die Instanzen) und ein gegenseitiger Informationsfluss. Bei all diesen Problemen haben wir unsere Hilfe zugesichert und hoffen auch auf Hilfe von außerhalb (Lufthansa Cargo, Regionale Zuchtverbände in Deutschland, Reiterkolleg/innen).

 

Den Abschlussabend am Samstag wollten wir eigentlich zusammen mit dem Zuchtbeauftragten, Yashar und seinem Schwager, unserem Chauffeur in einem gemütlichen aserbaidschanischen Restaurant verbringen, und haben die drei auch dazu eingeladen, aber auch hier kam es wieder anders als erwartet. Etwa gegen 19:00 Uhr (in Deutschland war es erst 16:00 Uhr) erschien Yashar mit Chauffeur, aber ohne K. Rajabli, der sich entschuldigen ließ und fuhr uns in ein außergewöhnliches Lokal… wir gingen durch einen Hof mit Wasserspeiern, gemauerten Wänden, die wie eine Burg aussahen zu einem Separee, das nur für uns vorgesehen war: ein gedeckter Tisch mit allen Raffinessen des Kulinariums: von Oliven, Gurken, Weinlaubrouladen, Lammkoteletts, Wachtelfleisch, Kaviar, Störfilet, etc. gab es alles, was Aserbaidschan hergab…. Inklusive Rotwein! Rotwein????? Ja auch den, denn so richtig muslimisch kam uns hier eigentlich nichts vor… Nein, im Nachhinein merke ich jetzt erst, was ich vermisst habe: die ständigen Rufe des Muezzin zu den Gebetszeiten… Fehlanzeige. Die hier an allen Orten zu sehenden bekopftuchten Frauen? -> Fehlanzeige.  Die fehlenden Alkoholangebote in Restaurants -> ebenfalls Fehlanzeige. Orientalische Unpünktlichkeit… nun, einmal ließ Yashar lange auf sich warten, ohne uns über das innerorts kostenlose Telefon zu informieren, er tat es hinterher dafür sehr ausgiebig.  Und mangelnde Organisation… das am allerwenigsten.

 

Sonntag:

Am Sonntag haben wir Yashar für die Familie „frei“ gegeben. Wir haben uns auf eigene Faust auf den einheimischen Basar begeben und dort die unterschiedlichsten Angebote bewundert. Von persischen (oder aserbaidschanische?) Teppichen bis zu türkischen Lederklamotten, bzw. Gewürzen, Gemüse, Obst war einfach alles zu haben (und sogar sehr günstig). Leider hatten wir nur begrenzte „Zulademöglichkeit“ in unseren Koffern, sonst hätten wir so einiges noch mitgenommen.

Aber eins war noch erzählenswert: wir hatten in weiser Voraussicht, Yashar gebeten, uns die Adresse des Basars, sowie unsere Heimatadresse aufzuschreiben, um „heil“ hin und zurück zu kommen. Wir hatten auch nachgefragt, was wir an Manaten so rechnen müssen für eine der Touren. Klappte auch alles super…. bis auf den Heimweg. Wir hatten einen gelben Lada mit Taxi-Aufsatz angesteuert, dort die Adresse gezeigt und die 40 000 Manat hingehalten, um zu verdeutlichen, was wir wollten. Der vermeintliche Taxifahrer wies hocherfreut auf die Einsteigetüren und nahm auch selbst am Steuer Platz. So weit so gut. Nach dem Losfahren griff er aufs Autodach, holte das Taxischild wieder rein, nahm die 40000 Manat küsste sie freudestrahlend und murmelte allerlei Unverständliches vor sich hin. Wir bemerkten aber schon beim ersten Anhalten, dass unser Fahrer wohl kein ortskundiger (wenn überhaupt) möglicherweise auch gar kein Taxifahrer sein konnte, er musste nämlich zweimal nachfragen, bevor er uns sicher ablieferte. Nun, zumindest er war an diesem Tag hocherfreut über die Sondereinnahmen und wir hatten keinerlei Einwände zu dieser Taxifahrt.

 

Die folgende Nacht war unsere letzte in Baku. Wir hatten zumindest vor, ein paar Stunden zu schlafen, aber auch daraus wurde wie schon so oft nichts. Nachdem wir die Wohnung um 24.00 ordnungsgemäß wieder zurück gegeben hatten, hielt unser Taxi (ein von Yashar bestelltes neues!) nachts pünktlich vor unserer Haustür und beförderte uns wieder zum Flughafen. Yashar rief uns noch über Handy an und wünschte uns einen guten Heimflug. Um 4:00 Uhr morgens hoben wir ab. Aber diese Nacht war sehr kurz. Denn durch die Zeitverschiebung kamen wir ja bereits um 6:00 (MESZ) in Frankfurt an – ohne ausreichenden Schlaf aber mit vielen neuen und eindrucksvollen Informationen und …einem neuen Freund: Yashar.