Lettische Pferde
Da Lettland seit 1990 ein unabhängiger Staat
ist, ist die lettische Pferdezucht jetzt ein Erwerbszweig, der sich den
Anforderungen anpassen muss, die an heutige Leistungspferde gestellt werden. Die
politische Entwicklung beeinflusste natürlich auch die Pferdezucht des Landes:
Im Rahmen dieser Veränderung hat sich auch das Zuchtziel verändert. Wie bei fast
allen ehemals sowjetischen Pferderassen wird es in drei unterschiedlichen Typen
gezüchtet, wobei der schwerere Typus noch dem Grundtypus des schweren
Wagenpferdschlags entspricht und der leichtere Typ jetzt dem leichteren
veredelten Sportpferd nahe kommt. Dies wird, wie in fast allen anderen schweren
Rassen auch durch Einkreuzen von Englischem Vollblut erreicht. War es
früher wichtig, ein leistungs- und arbeitsbereites Zug- und Wagenpferd zu
erhalten, so sind heute mehr die Rittigkeit und das sportliche
Leistungsvermögen des Pferdes gefragt. Aber noch immer gibt es den
Standardtyp des leichten lettischen Zugpferdes, sowie den Reitpferdetyp, wobei
der schwere Typ des Arbeitspferdes immer mehr in den Hintergrund tritt, obwohl
dies die wohl ursprünglichere ist und wahrscheinlich auf einer alten Rasse
beruht, von der alle schweren Zugpferde Europas abstammen. Der Lette wurde im
Laufe der Jahre vom Dole-Gundbrand-Pferdsdal, dem Nordschweden, dem Zemaituka,
dem Finnischen Kaltblut und dem Oldenburger beeinflusst, und alle diese Rassen
haben sich ähnlich entwickelt. (aus Pferde & Ponys, 2003)
In der Wiegands-Chronik aus dem 13. Jhd.
werden graue Wildpferde im Typ des polnischen Koniks erwähnt , die in den
Wäldern Masurens, Litauens, Kurlands, Livlands, Estlands, Polens und Finnlands
lebten. Alle diese Pferde besaßen zwar lokale Eigenheiten (siehe auch
Polesskaja), jedoch ähnelten sie einander in der Mehrzahl der Eigenheiten. Der
Pole Z. Sewaqnowski erwähnt in seiner Arbeit (Warschau 1891), dass die
Stammesfürsten der litauischen und lettischen Völkerschaften schon vor der
Kolonisierung durch den Deutschen Ritterorden vorzügliche Streitrosse besaßen,
die bereits damals mit östlichen und friesischen Pferden gekreuzt waren. Im
Laufe der Jahrhunderte wurden die bodenständigen Pferde durch immer erneut
stattfindende Einkreuzungen von Fremdblut größer und starkknochiger. In der
Mitte des 14. Jhd. wurde in Lettland, in der Siedlung Alsunga ein erstes Gestüt
mit 40 Stuten gegründet.
Zu
Seit dem 17. Jhd. fanden Einkreuzungen mit Engl. Vollblut, Arabern und
Oldenburgern statt, wodurch die Rasse mehr Raffinesse und Qualität erhielt. Den
wahrscheinlich größten Einfluss auf die Entwicklung des modernen Letten übten
der Hannoveraner, der Oldenburger und der Holsteiner aus.
Beginn des 18. Jhd. im Verlaufe der
Kolonialisierung durch deutsche und polnische Siedler wird von einem zähen,
kleinen, ungemein ausdauernden, anspruchslosen und zugleich leistungsfähigen
Klepper berichtet (Klepper = Wagen-Pferd). Geringe Reste dieses originalen
Pferdetyps, der sich bis heute noch vereinzelt erhalten hat, findet man auch
heute noch: ein kleines, primitives Pferd von etwa 135 - 138 cm Stockmaß. Im
19. Jahrhundert haben vor allem russische Pferde aus den angrenzenden Ländern
die lettische Zucht stark beeinflusst. Es blieb nicht aus, dass Reisende sowohl
in der einen als auch in der anderen Richtung Pferde austauschten und somit die
besseren - wohl auch hübscheren und leichteren - russischen Pferde in die
lettische Pferdezucht Eingang fanden. 1855 richtete die livländische
Ritterschaft auf dem Gut Torgel bei Pernau (Pärnu) den sog. "Torgelschen
Zuchtstall", ein Gestüt mit Hengstdepot und etwa 100 Hengsten,
später sogar 160. 1893 erfolgte die Gründung des "Zuchtstalls zu
Riga" in Krustpils mit 70 - 80 Hengsten. Die Bestände der Gestüte setzten
sich zusammen aus: Vollblütern, Streletzker Arabern, Orlow Trabern, Trakehner,
Ardennern, Brabantern und anderen. Je nach Nachfrage sollte für jeden ein
passender Hengst zur Verfügung stehen. Militärische, aber auch
landwirtschaftliche Zwecke erforderten unterschiedliches Zuchtmaterial und
unterschiedliche Hengste. Da die leibeigenen Bauern in der Zeit der russischen
Herrschaft aber arm und von den vermögenden
Großgrundbesitzern abhängig
waren, kann man nicht von einer systematischen Zucht in dieser Zeit sprechen.
Auch der erste Weltkrieg riss tiefe Lücken in den lettischen Pferdebestand.
Dach wurde die Zucht überwiegend aus Importen wieder aufgebaut. Das Gestüt
"Torgel" fiel aus Gründen der Sprachgrenzen, die auch politische
Grenzen wurden an Estland. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden dann überwiegend
Pferde aus Westeuropa importiert: Vollblüter, Traber, Oldenburger,
Ostfriesen, Groninger, Trakehner, Ardenner und Belgier, sowie eine Anzahl
estnischer Klepper. erst spät erfolgte eine Registrierung und eine planmäßige
Zuchterfassung. Im Jahre 1921 wurde das Gestüt Okten gegründet und dort die
Hengste Siero Old, Germino Old, Ammash Old und Gotenfürst eingesetzt. In einem
weiteren Staatsgestüt "Swetziems" deckten die Hengste Altmeister,
Alwin (beide von Adeptus xx) und Bujar. Erfolgreiche lettische Pferde waren
danach auch international zu sehen. Seit 1950 werden in Lettland Hengst- und
Stutenleistungsprüfungen durchgeführt und Hengste aufgestallt, die in ihrem
Pedigree auch Vollblut-, Trakehner- und veredelte Hannoveraner und
Holsteiner-Hengste aufweisen. Ab 1976 wurde dann der Name von "Lettisches
Wagenpferd" in "Lettisches Pferd" umgewandelt. Ab diesem
Zeitpunkt und vor allem ab 1990 wird dann auch der Zuchtschwerpunkt auf ein
Reit- und Sportpferd gelegt, um den Anschluss an die westeuropäischen Standards
nicht zu verpassen.(Vgl.: Jasper Nissen, Band 3, Enzyklopädie der Pferderassen)
Der moderne Lette gibt ein erstklassiges Spring- und Dressurpferd ab, hat jedoch ein ausgeglichenes Temperament und vor allem: einen ehrlichen und umgänglichen Charakter und eine ruhige und fügsame Wesensart. Er hat einen eher großen Kopf und einen muskulösen, aber eleganten Hals. Die Schultern sind gewöhnlich kräftig und gut gewinkelt, die Brust breit und tief und der Rücken grade und gut proportioniert mit einer muskulösen Hinterhand. Die Beine sind kurz und kräftig mit ausgeprägten Gelenken und harten Hufen. Als Gebäudemängel treten manchmal Kuhhessigkeit und eine Neigung zu Überbeinen auf. Die vorwiegenden Fellfarben sind Rappe, Brauner und gelegentlich Fuchs, sein Stockmaß schwankt zwischen 152 und 163 cm. (aus Pferd & Pony 2003)
Bilder von Anna Fedrych und Letten "Juri"